David Hedderman: Pulling At The Briars

David Hedderman Credits Yuka Tanaka

Ein Freund, ein guter Freund… Dass die seit 15 Jahren gesammelten Songskizzen des Musikers und Malers David Hedderman nun auf einem tollen Album herauskommen, verdanken wir auch einem Promi-Kumpel.

von Werner Herpell

Dieses Album ist das (sehr schöne) Ergebnis einer Freundschaft. Denn dass der seit langem in Berlin lebende irische Porträtmaler David Hedderman – trotz seiner Vergangenheit in der talentierten Indierock-Truppe The Immediate während der Nuller-Jahre – nochmal als Musiker ins Rampenlicht treten würde, war nicht zwingend zu erwarten. Doch dann war es sein alter Immediate-Kreativpartner, der auch bei den Lesern von Sounds & Books bestens beleumundete Singer-Songwriter Conor O’Brien von den Villagers, der das Comeback-Projekt und Solo-Debüt  „Pulling At The Briars“ vorantrieb und schließlich in den Sonic Studios der irischen Hauptstadt als Produzent vollendete.

„Der richtige Zeitpunkt“ für David und Conor

David Hedderman Pulling At The Briars Cover Grönland Records

„Wir trafen uns

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auf ein Bier in Dublin, und er schaute mich an und sagte: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, wenn du dieses Album machen willst“, erzählte Hedderman dem „Rolling Stone“ (Februar) über die Wiederbegegnung mit dem selbst vielbeschäftigten O’Brien (dessen neue, von der prächtigen Single „That Golden Time“ angeteaserte Villagers-Platte mit gleichem Titel erscheint übrigens im Mai bei Domino).  Der Freund aus Jugendzeiten spielte dann für die Aufnahmen auch noch Schlagzeug, hinzu kamen Klavier, Bass, Pedal-Steel, Klarinette und Streicher.

Die 1962er Gretsch-Gitarre, die Hedderman auf „Pulling At The Briars“ so herrlich raumgreifend spielt, war ebenfalls ein Geschenk von O’Brien, der dann zuguterletzt auch noch Live-Auftritte anregte: „Nachdem wir das Album gemacht hatten, sah er mich an und sagte: Mann, die musst du jetzt auf Tournee mitnehmen, das ist dein Sound.“

Zehn träumerische Folkpop-Songs von David Hedderman

Conor O’Brien verdanken wir also fast ebenso sehr wie David Hedderman selbst eine wundersame Singer-Songwriter-Rückkehr – und man kann gut heraushören, warum der als Musiker wesentlich berühmtere Dubliner Freund daran gern mitwirkte. Es sind zehn zarte, träumerische, nie übertrieben üppige Folkpop-Lieder, die auf „Pulling At The Briars“ zu hören sind – in Stimmung und Ausführung denen der Villagers nicht unähnlich, wenn auch mit weniger Drang zum elektronischen Experiment.

„Blue Jeans“, „The Rolling Wave“, „What We Do“ und „Pokerface“ beispielsweise wären vor allem auf den akustischeren Platten der „Dorfbewohner“ nicht unangenehm aufgefallen. Heddermans Stimme ist ähnlich fein und fragil wie die von O’Brien, ebensowenig männlich auftrumpfend – und dabei doch nie belanglos.

Mit Zärtlichkeit behandelt

„Eine tolle bunte Schar von Musikern versammelte sich, um die Lieder mit der Zärtlichkeit zu behandeln, die sie verdienten (….) – wie in den alten Tagen“, erinnert sich O’Brien an die Sessions in Dublin. „Es fühlte sich himmlisch an, wieder hinter einem Drum-Kit zu sitzen und einen Backbeat zu liefern für meinen alten Buddy und seine neue Band. Ich denke, dass Dave hier etwas Besonderes gemacht hat.“ Wer Conor O’Brien schon ein paar Mal persönlich erlebt hat in all seiner Freundlichkeit und Bescheidenheit (wie dieser Schreiber), der weiß, dass die liebevollen, wertschätzenden Worte aus dem PR-Text genau so gefallen sein dürften.

Die Aufnahmen für „Pulling At The Briars“ gingen in fünf Tagen über die Bühne – die Entwicklung der Songs dauerte indes lang, erstreckte sich über eine rund 15-jährige Periode. Das ist also praktisch die Zeit seit dem Ende von The Immediate, in der Hedderman nach und nach als Maler in Berlin Fuß fasste, wo er jetzt mit der Künstlerin Yuka Tanaka lebt. „Diese Lieder waren ziemlich therapeutisch, und in den ersten Jahren des Schreibens und Spielens sah ich sie irgendwie auch gar nicht als Songs für eine Veröffentlichung“, sagt er.

David Hedderman stimmt auf die Villagers ein

Dank Herbert Grönemeyers geschmackssicherem Label Grönland kommen die sanft funkelnden Singer-Songwriter-Juwelen des fast schon im Musiker-Ruhestand befindlichen David Hedderman nun einem hoffentlich großen Publikum zu Ohren. Gut so. Eine bessere Einstimmung auf die (Spoiler: grandiose) neue Villagers-Platte „That Golden Time“ ist kaum denkbar.

Das Album „Pulling At The Briars“ von David Hedderman erscheint am 09.02.2024 bei Grönland Records/Rough Trade. (Beitragsbild von Yuka Tanaka)

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